Ansprache zum Requiem


Liebe Angehörige, Freunde und Bekannte
von Benjamin Meyer!


Hier in der St.-Josef-Kirche versammelt, einen Ort, der dem Verstorbenen in den vergangenen vier Jahren wichtig geworden ist.
Hier, wo er selbst immer wieder gebetet hat, seiner erinnern und für ihn beten.

Jeder von uns denkt auf seine je eigene Weise an Benjamin Meyer zurück.
Jede und jeder hat seine Erinnerungen an ihn, an Begegnungen und Gesprächen.



Immer hat er fotografiert,
eine Tätigkeit, die ihm Freude machte, die ihm lag, die ihm Bestätigung schenkte.

Was macht ein Fotograf?

Er bildet einen Ausschnitt, einen Teilaspekt der Wirklichkeit ab, nicht unbedingt so wie sie ist, sondern vor allem so, wie er sie sieht.

Hier entdecke ich Parallelen zur nicht immer leichten Lebensgeschichte von Benjamin:
Für ihn war die Wirklichkeit so, wie er sie sah und empfand, und manchmal hat er dieser Wirklichkeit seines Lebens Aspekte und Akzente hinzugefügt, nicht unbedingt wie sie waren, sondern wie er sie sehen wollte.



Welche Erinnerungen dieser Lebensgeschichte darf ich, - bei aller gebotenen Zurückhaltung -, hier festhalten?

Benjamin war ein Mensch der Sehnsucht:
der Sehnsucht nach Beziehung, nach Geborgenheit, nach Verständnis.
Mansche aus der St.-Laurentius-Gemeinde, die nun hier sind, haben ihm in den zurückliegenden vier ein Stück dieser Geborgenheit geschenkt.

Benjamin Meyer war ein Mensch der Gefühle:
oft wiedersprüchlich, wie wir sagen "himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt", manchmal ganz erwachsen und mit großem und selbstsicherem Auftreten, und dann wieder fast kindlich einfältig.

Benjamin Meyer war ein Mensch der Unruhe und des Hin-und-Hergetrieben-Seins:
Oft wechselten Alltäglichkeit und gewohnter Tagesablauf mit dem Bedürfnis, einige Tage unterzutauchen oder gar in Kriesengebiete der Weltgeschichte zu reisen, um dort als Hobbyjournalist aktuelle Fotos zu machen.

Benjamin Meyer war ein Mensch der Kommunikation:
der hierduch wiederum selbst Menschen zueinander in Beziehung brachte. Vor allem seine "Kirchen-News" dürfen hier nicht unerwähnt bleiben, von Benjamin Meyer mit Interesse geschrieben und von vielen Gemeindemitgliedern mit Interesse gelesen.

Und das Letzte ist mir besonders wichtig.
Benjamin Meyer war ein Mensch der Solidarität:

auch wenn er selbst materiell nicht üppig ausgestattet war oder aus dem Vollen schöpfen konnte, hatte er doch einen Blick für andere.
Überschüsse der "Kirchen-News" kamen anderen zugute, etwa den Ministranten und dem Kindergarten.



In all diesen Lebenslagen wurde der Verstorbende unsichtbar gehalten, wie es uns die Worte der Lesung deutlich gemacht haben, von Gott, der Benjamin Meyer wie jeden Menschen gewollt und angenommen hat.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wichtig erscheint mir, uns immer wieder bewusst zu machen, dass Benjamin sein Leben gelebt hat, dass andere mitgegangen sind und ihm immer wieder zur Seite standen, für seine persönliche Entscheidungen aber nicht verantwortlich sind.

"Wir sind traurig! "Alle, die ihn gern hatten."

So steht es in der Todesanzeige.
Ich möchte ergänzen:
"Wir sind dankbar! "Alle, die ihn begegnet sind."




"Unruhig war mein Herz ..."
So sagt es der hl. Augustinus. So war das Leben von Benjamin Meyer.
Aber der Satz von Augustinus geht ja noch weiter:
"Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir."

Nach menschlichem Ermessen hier auf Erden zu früh zu Ende gegangen, glauben wir als Christen, dass dieses Leben in Gott ein Ziel, das Zuhause gefunden hat, nach dem sich Benjamin Meyer so innig gesehnt hat.

Von diesem Zuhause höhren wir nun im Evangelium.




Lesung

aus dem Buch des Propheten Jesaja
(Jes 43, 1-3a)


So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!

Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versenkt. Keine Flamme wird dich verbrennen.

Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, dein Retter.

Dies sind die Worte der heutigen Lesung!




von Dechant Dr. Gerhard Best